Einmal im Jahr wollen wir im Commoning-Myzel zusammen kommen, und die unterschiedlichen Fäden des Myzels zusammenbringen, Verbundenheit vertiefen, Commoning-Kultur leben, regenerieren, integrieren und feiern.

Wenn du hier gelandet bist, aber noch nicht genau weißt, was „Commoning“ bedeutet: Klick gern hier und schau dir das kurze Video an. Du brauchst aber nicht Commoning-Expert:in sein, um zum Myzel-Treffen zu kommen. Interesse reicht!
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Myzel bezeichnet das feine, unterirdische Pilzgeflecht, das Pflanzen (z. B. Bäume) miteinander verbindet und als Netzwerk des Austauschs und der gegenseitigen Unterstützung wirkt. Im Commoning-Myzel wollen wir unsere Kräfte bündeln, ins Tun kommen und die Welt lebenswerter machen für uns und unsere Mitwesen. Wir wollen wachsen wie ein Pilzmyzel, miteinander und tief mit der Erde verbunden.

Myzeltreffen 2026: Lernen und Verlernen

Vier Tage gemeinsames Lernen, Verlernen, Kochen, Diskutieren, Spazieren, Nachdenken, Lachen, Beziehungsklären und Commoning praktizieren: Mitte Mai traf sich das Myzel im Haus des Wandels in Ostbrandenburg. Rund 45 Erwachsene und 8 Kinder aus nah und fern kamen zusammen.

Das Programm des Treffens entstand wieder gemeinschaftlich und lebte davon, dass Menschen Verantwortung füreinander und für den gemeinsamen Raum übernehmen: beim Kochen, Aufräumen, Kinderbegleiten, Moderieren oder in den zahlreichen Open-Space-Workshops.

Lernen und Verlernen

Unter dem diesjährigen Motto „Lernen und Verlernen“ beschäftigten wir uns nicht nur damit, welche Fähigkeiten wir für gesellschaftliche Transformation brauchen, sondern auch damit, welche Denk- und Handlungsmuster wir vielleicht hinter uns lassen möchten.

Wie verlernen wir Herrschaftslogiken, die wir oft unbewusst reproduzieren? Was bedeutet es, Wissen nicht nur kognitiv, sondern auch über Beziehungen, Körper und gemeinsame Praxis entstehen zu lassen? Und wie verändert sich Lernen, wenn nicht mehr Expert*innen Wissen vermitteln, sondern Menschen gemeinsam forschen?

Viele dieser Fragen tauchten immer wieder auf – in Workshops, Kleingruppen oder beim gemeinsamen Abwasch zwischendurch.

Orte des Wandels vernetzen

Ein größerer Arbeitsstrang beschäftigte sich mit der Vernetzung von Commons- und Transformationszentren. Gemeinsam wurde diskutiert, welche Eigenschaften solche Orte teilen, welche Herausforderungen sie verbinden und wie sie sich künftig stärker gegenseitig unterstützen können.

Deutlich wurde dabei, dass viele Projekte mit ähnlichen Fragen ringen: Wie können langfristig Räume gesichert werden? Wie lassen sich Offenheit, Selbstorganisation und finanzielle Stabilität miteinander verbinden? Welche Formen gegenseitiger Beratung fehlen bislang? Aus diesen Gesprächen entstanden zahlreiche Ideen – von gemeinsamen Wissenssammlungen über Vorlagen für Förderanträge bis hin zu regelmäßigen Austauschräumen zwischen verschiedenen Projekten.

Beziehung als Commons

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Beziehungsebene des Commoning. Denn gemeinschaftliche Projekte scheitern selten an fehlenden Ideen – häufiger an Missverständnissen, unausgesprochenen Erwartungen oder Konflikten.

Mehrere Workshops widmeten sich deshalb der Frage, wie wir Projektionen, Unsicherheiten und Spannungen früher wahrnehmen und in Beziehung bringen können, statt sie zu verdrängen. Ausgangspunkt war die Annahme, dass lebendige Kooperation nicht nur gute Strukturen braucht, sondern ebenso Räume, in denen das, was zwischen Menschen entsteht, gemeinsam betrachtet werden kann.

Dabei ging es weniger um Konfliktlösung als um das gemeinsame Verlernen jener Gewohnheit, schwierige Gefühle ausschließlich mit sich selbst auszumachen.

Inspiration aus Venezuela

Ein besonders eindrücklicher Beitrag berichtete von einer mehrwöchigen Reise zur venezolanischen Kooperative Cecosesola. Die dort gelebte Praxis beeindruckte viele Teilnehmende durch ihr radikales Vertrauen, ihre konsequente Orientierung am gemeinsamen Lernen und ihre ungewöhnliche Fehlerkultur.

Besonders resonierte die Haltung, Probleme nicht primär als individuelles Versagen, sondern als gemeinsame Lerngelegenheit zu betrachten. Auch die weitgehende Transparenz von Entscheidungen, regelmäßige Rollenrotationen und die starke Verankerung gegenseitiger Fürsorge lieferten zahlreiche Impulse für die eigene Praxis.

Immer wieder stellte sich die Frage, welche dieser Muster sich auch in hiesigen Commons-Kontexten kultivieren lassen – und wo kulturelle Unterschiede neue Antworten erfordern.

Das Haus des Wandels als Lernort

Nicht nur die Workshops, sondern auch der Veranstaltungsort selbst war Teil des Lernprozesses. Während zweier Führungen wurde sichtbar, wie aus einem ehemaligen Internats- und Ausbildungsgebäude ein lebendiger Ort gemeinschaftlichen Lebens entstanden ist.

Statt neu zu bauen, wurde Bestehendes erhalten und weiterentwickelt. Viele Möbel erzählen Upcycling-Geschichten, entsiegelte Flächen sind nun ein Garten, Obstbäume wachsen vorm Haus und eine SoLaWi-Station hat in der Aula des Hauses Platz gefunden. So wurde Nachhaltigkeit nicht nur diskutiert, sondern in ihrer materiellen und sozialen Dimension unmittelbar erfahrbar.

Commoning leben

Wie schon in den vergangenen Jahren wurde auch dieses Treffen solidarisch finanziert. Es gab keine festen Teilnahmebeiträge; stattdessen trugen alle entsprechend ihrer Möglichkeiten zum Gelingen bei. Ebenso selbstverständlich wurden Verantwortung und Care-Arbeit geteilt. Kochen, Putzen, Kinderbegleitung oder Awareness waren keine Dienstleistungen, sondern Teil des gemeinsamen Commoning.

Gerade in diesen alltäglichen Momenten zeigte sich oft, worüber wir sonst sprechen: dass Kooperation nicht erst in großen Konzepten beginnt, sondern in den kleinen Praktiken des Miteinanders.

Und jetzt?

Viele Gespräche endeten nicht mit dem Abschied. Neue Arbeitsgruppen wurden verabredet, bestehende Netzwerke vertieft und Kooperationen fortgeführt. Einige Themen werden in den regelmäßigen Online-Treffen vom Commons Institut oder auch in neuen Werkstätten der Commons-Sommerschule weiterbearbeitet, andere fließen in Projekte vor Ort oder in die nächste Commons-Sommerschule ein.

Vielleicht ist genau das das Schönste am Myzel: Es ist kein abgeschlossenes Ereignis, sondern eher ein unterirdisches Geflecht. Man sieht immer nur einen kleinen Teil davon – und doch wachsen zwischen den Treffen neue Verbindungen weiter.

Myzeltreffen 2025: Ein Rückblick

Energie schöpfen

Seit drei Jahren treffen sich Menschen, die auf einer Commons-Sommerschule waren oder sich beim Commons Institut engagieren, zu einem jährlichen Vernetzungstreffen. Inspiriert vom Bild des unterirdischen, verästelten Pilzmyzels, das an verschiedenen Stellen Fruchtkörper aus der Erde sprießen lässt, werden sie Myzeltreffen genannt. Im Mai trafen sich etwa 35 Leute für vier Tage im »Gäst_innenhaus« in Dannenrod, wo sich vor sechs Jahren Einheimische und Unterstützende gegen einen Autobahnbau und für den Erhalt des Dannenröder Forsts einsetzten. Was mich dorthin zog, war die Aussicht auf ein hingebungsvoll gestaltetes Gruppenerlebnis, wie ich es schon auf der Commons-Sommerschule 2024 erlebt hatte. Eine Stärke der Commonskis (meine Wortschöpfung für die Teilnehmenden und Organisierenden der Sommerschule) ist für mich das erstaunlich leichtgängige Verflechten einer Gruppe von Individuen zu einer Gemeinschaft auf Zeit, in der ich mich sicher und präsent fühle. In verschiedenen Open-Spaces teilten Einzelne ihr Wissen über gelebtes Commoning wie zu gemeinschaftsgetragener Gesundheitsfürsorge oder zur Vernetzung und Skalierbarkeit von gemeinschaffenden Produktionsweisen.

Mich berührte die gemeinsame Waldbegehung mit einer Anwohnerin, die Teil der Proteste rund um den Dannenröder Forst war. Sie erzählte vom Scheitern aber auch von der enormen Kraft, die für sie in den widerständigen Praktiken zu Tage trat. Mir scheint, dass von dieser Ausnahmesituation damals neben vereinzelten sozialen Beziehungen die dort kultivierten Werte geblieben sind. Daraus nehme ich mit, dass wir auf dem Weg zum Gemeinschaffen Nischen außerhalb des Alltäglichen brauchen, in denen wir uns gegenseitig aufladen und die Erinnerung an ein Miteinander wachkitzeln können. Diese Zugehörigkeit in kürzester Zeit (wieder) aufleben zu lassen, ist ein Handwerk, das die Organisierenden des Myzeltreffens beherrschen.

Lina

Myzeltreffen 2023:
Kleine Rückblicke

Was?

Gemeinsam organisierten und trugen wir den gesamte Prozess des Da-Seins. Geschichten wurden geteilt, Projekte verwoben, gemeinsam getanzt, Körper und die Erde gespürt, gefragt, diskutiert, geforscht, gesungen, Sorgetätigkeiten geteilt, Inspirationen aufgeschnappt und weitergegeben, am Feuer gesessen, erholt, getan und nichts-getan, gelacht und vieles mehr!

Wie?

Selbstorganisiert, bedürfnisorientiert, forschend und lebendig! Wir haben versucht, alle gemeinsam die Vielfalt des Miteinander-Seins zu hüten und die unterschiedlichen Wissenszugänge – körperlich, emotional, kognitiv, das Erfahren im Handeln, künstlerisch, und spirituell – zu stärken. In emotionalen Unterstützungsgruppen, den Buddygruppen, haben wir am Vormittag entwickelt, was jetzt wirklich dran ist, was wir gerade einbringen wollen, was der gemeinsame Prozess braucht oder welchen Bedarf wir haben. Am Nachmittag haben wir – strukturiert im Open-Space-Format- das dann in Kleingruppen mit Leben gefüllt.